Mein Saxophon-Setup: Lavoz-Blätter ein 1950er Brilhart Tonalin
Welches Mundstück spiele ich? Neben meinem weißen Brilhart Tonalin aus den 1950ern setze ich auf Claude Lakey, Otto Link Tone Edge, Meyer HR, François Louis und Selmer Soloist – und verrate, welche Blattschraube am besten klingt.

Eine der Fragen, die mir nach Konzerten und Workshops am häufigsten gestellt wird, lautet: „Welches Mundstück spielst du eigentlich?" Hier ist die ehrliche, kurze Antwort – und ein bisschen Geschichte, warum dieses Mundstück für mich Sinn ergibt.
Mein aktuelles Setup auf dem Alt-Saxophon
- Blätter: Lavoz, Medium Soft
- Mundstück: weißes Brilhart Tonalin aus den 1950er-Jahren, Öffnung 4 (entspricht etwa einem Meyer 7)
- Saxophon: Selmer Mark VI – ich spiele verschiedene Instrumente, unter anderem mit den Seriennummern 98xxx, 234xxx, 136xxx und 80xxx
Diese Kombination hat sich bei mir über viele Jahre bewährt. Das Tonalin gibt mir einen warmen, dunklen Grundklang mit genug Biss und Projektion, um auch in lauteren Bandsituationen durchzusetzen. Gleichzeitig bleibt die Artikulation flexibel – wichtig für mich, weil ich viel zwischen geradem Ton und subtler Klangfarbe wechsele.
Warum ein 70 Jahre altes Mundstück?
Alte Brilhart-Mundstücke werden nicht nur aus Nostalgie geschätzt. Die frühen Tonalin- und Ebolin-Modelle gelten als besonders ausgewogen: sie verbinden eine relativ freie Blasanlage mit einem vollen, runden Klang. Genau das suche ich auf dem Alt-Saxophon – ein Instrument, das mir persönlich am schwierigsten fällt, aber auch die größte klangliche Präzision verlangt.
Die berühmten Vorbilder
Dass ich auf einem weißen Brilhart spiele, ist keine Modeerscheinung. Einige der prägendsten Saxophonstimmen des Jazz haben auf ähnlichen Mundstücken gearbeitet:
- Charlie Parker nutzte insbesondere das weiße Tonalin (Streamline) auf seinem Altsaxophon – ein Klang, der den typischen Bebop-Sound maßgeblich prägte.
- Sonny Stitt, einer der wenigen Altsaxophonisten, die Parker in der Bebop-Ära ebenbürtig gegenüberstanden, setzte ebenfalls auf Brilhart-Mundstücke für seinen klaren, durchsetzungsstarken Ton.
- Lester Young spielte unter anderem Ebolin-Mundstücke auf dem Tenorsaxophon und prägte damit seinen leichten, schwebenden Ton.
- Stan Getz nutzte in seinen frühen Jahren ebenfalls ein Brilhart Tonalin – man hört den warmen, geschmeidigen Ansatz bis heute.
- Johnny Hodges, einer der großen Alt-Saxophon-Stimmen des Duke Ellington Orchestras, wurde oft mit Brilhart-Modellen auf dem Altsaxophon gesehen.
- Maceo Parker spielt bis heute ein Brilhart Ebolin Nr. 3 auf seinem Altsaxophon – der Funk klingt damit genauso bissig wie souverän.
Andere Mundstücke, die ich auf dem Alt-Saxophon spiele oder gespielt habe
Über die Jahre habe ich viele Mundstücke getestet. Nicht jedes war ein Treffer, aber jedes hat mir etwas über meine Klangvorstellung gelehrt. Diese Modelle begleiten oder begleiteten mich neben dem Brilhart Tonalin:
- Claude Lakey – ein klassisches Jazz-Mundstück mit viel Biss und Projektion. Charlie Mariano war ein bekannter Spieler dieses Sounds; ich nutze es, wenn ich mehr Oberton-Schärfe brauche.
- Otto Link Tone Edge – das Standard-Mundstück für Tenor, aber auch auf dem Alt beliebt. Warm, rund, sehr vokal.
- Brilhart Streamline – verwandt mit dem Tonalin, etwas direkter im Ansprechverhalten. Guter Allrounder für Bebop-Linien.
- Meyer HR 5, 6, 7 und 8 – die wohl meistverkaufte Jazz-Mundstück-Reihe für Altsaxophon. Die 7er-Öffnung war für mich lange Zeit Referenz, bevor ich zum Brilhart fand. Kleinere Öffnungen (5/6) geben mehr Widerstand, größere (7/8) mehr Volumen.
- Modifiziertes Otto Link 8 von François Louis – ein Custom-Job mit veränderter Bahn und Kammer. Extrem frei blasend, dunkel, sehr viel Klangfarbe. Nicht für jeden Tag, aber inspirierend für Experimente.
- Selmer Soloist C* bis F – klassische französische Mundstücke, eher klassisch-orchestral geprägt. Die C* ist berühmt für Stabilität und Kontrolle; die größeren Facings (E, F) öffnen den Klang für Jazz.
Die Blattschraube: unterschätzt, aber wichtig
Viele Saxophonisten unterschätzen die Blattschraube. Sie verändert, wie das Blatt auf dem Mundstück aufliegt und schwingt – und damit direkt Ansprache, Klangfarbe und Stabilität. Für mein aktuelles Brilhart Tonalin habe ich verschiedene Schrauben getestet:
- Alte silberne Selmer-Blattschraube – aktuell mein Favorit. Sie lässt das Blatt frei schwingen, gibt mir eine direkte Ansprache und einen warmen, lebendigen Klang.
- François Louis-Ligatur – auf dem zweiten Platz. Sehr ausgewogen, gute Kontrolle im pianissimo, etwas mehr Fokus im oberen Register.
Die richtige Schraube ist so individuell wie das Mundstück selbst. Deshalb rate ich immer: testen, vergleichen, mit offenen Ohren entscheiden.
Was das für meinen Sound bedeutet
Ich spiele nicht dieses Mundstück, weil Charlie Parker es gespielt hat. Ich spiele es, weil es meiner Klangvorstellung am nächsten kommt: dunkel, vokal, mit genug Obertönen, um im Jazz-Club eine eigene Stimme zu haben, aber nicht so hell, dass es im oberen Register schrill wird. Auf dem Alt-Saxophon ist das für mich die ständige Suche – und das Tonalin ist bisher der beste Wegbegleiter dafür.
Ein Wort zur Ausrüstung generell
Ein Mundstück allein macht den Sound nicht. Die Blattanlage, die Luftstütze, die Artikulation und vor allem das eigene Gehör sind weitaus wichtiger. Wer an seinem Klang arbeiten will, sollte also nicht nur im Equipment-Katalog stöbern, sondern vor allem viel bewusst zuhören und langsam üben. Wenn du dabei Unterstützung suchst: ich gebe Saxophonunterricht in Mainz und helfe dir gerne dabei, dein persönliches Setup zu finden.
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