Warum JazzPRESS über Darmstadt berichtet – und weshalb Erfahrung und junge Energie zusammengehören
Das polnische Magazin JazzPRESS berichtet über „Tribute to Jan Ptaszyn Wróblewski" im Jazzinstitut Darmstadt – über zwei ausverkaufte Abende, die Band REBIRTH und den Austausch zwischen den Generationen.

Als das polnische Jazzmagazin JazzPRESS in seiner Ausgabe März/April 2026 über das Projekt „Tribute to Jan Ptaszyn Wróblewski" im Jazzinstitut Darmstadt berichtete, ging es nicht nur um zwei ausverkaufte Konzertabende. Im Mittelpunkt stand eine Idee: Was passiert, wenn eine außergewöhnlich talentierte junge Band auf die Erfahrung eines Musikers trifft, der seit Jahrzehnten auf europäischen Bühnen unterwegs ist?
Die Antwort darauf beschreibt Autor Sławek Heller in seiner Reportage bemerkenswert klar.

Eine Einladung mit einer Idee
Die Band REBIRTH hatte Sławek Heller bereits beim ersten Kalisz Ptaszyn Fest begeistert. Ihre Interpretationen der Musik von Jan Ptaszyn Wróblewski waren eigenständig, mutig und musikalisch erstaunlich reif.
Für die Einladung nach Darmstadt suchte Heller jedoch bewusst nach einer weiteren Perspektive. Er wollte die jungen Musiker nicht einfach auf eine Bühne stellen, sondern sie mit einem erfahrenen Kollegen zusammenbringen.
„Genau deshalb entschied ich mich, Ulli Jünemann einzuladen – einen erfahrenen Altsaxophonisten, Pädagogen und Musiker mit enormer Jazzkompetenz. Er sollte bei einigen Titeln mitspielen. Ich war überzeugt, dass die Verbindung der jugendlichen Energie von REBIRTH mit Ullis Erfahrung die ideale Kombination sein würde. Gleichzeitig sollte sie helfen, das tatsächliche Niveau des Quintetts schon vor dem Konzert besser einschätzen zu können."
Erfahrung weitergeben
Genau darin sehe ich seit vielen Jahren einen wichtigen Teil meiner Arbeit als Musiker.
Ob im Unterricht, bei Workshops oder in gemeinsamen Projekten – musikalische Erfahrung lässt sich nicht in Noten aufschreiben. Sie entsteht im gemeinsamen Spielen, im Zuhören, im Reagieren und manchmal auch in kleinen Gesprächen während einer Probe.
Deshalb begann meine Rolle bei diesem Projekt lange vor dem ersten Konzert.
Während der Proben diskutierten wir Arrangements, Klangvorstellungen, Phrasierung und den Umgang mit der Musik von Jan Ptaszyn Wróblewski. Dabei ging es nie darum, den jungen Musikern vorzuschreiben, wie sie spielen sollten. Im Gegenteil: Mich interessierte ihre Sicht auf diese Musik.
Gerade daraus entstand ein musikalischer Dialog, der beide Seiten bereicherte.
Gemeinsam auf der Bühne
Dass ich schließlich bei mehreren Titeln mit REBIRTH spielte, war die logische Fortsetzung dieser gemeinsamen Arbeit.
Ich empfand mich dabei nie als Gastmusiker im klassischen Sinn, sondern als Teil eines Projekts, dessen Ziel es war, musikalische Erfahrungen weiterzugeben und gleichzeitig offen für neue Ideen zu bleiben.
Vielleicht beschreibt genau das auch der Titel der Reportage:
„Z rąk do rąk" – „Von Hand zu Hand".
Musik wird weitergegeben. Nicht als Kopie einer Tradition, sondern als lebendiger Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen.
Zwei ausverkaufte Abende
Die Resonanz bestätigte diese Idee eindrucksvoll.
Bereits zwei Wochen vor dem Konzert waren alle Karten vergeben. Deshalb wurde zusätzlich die Generalprobe für Publikum geöffnet. Auch dort waren zahlreiche Besucher anwesend. Am eigentlichen Konzertabend war schließlich jeder Platz im Gewölbekeller des Jazzinstituts besetzt.
Auf dem Programm standen Kompositionen von Jan Ptaszyn Wróblewski wie Pilnie potrzebna dobra wróżka, Skleroptak, Ballada bez melodii und Zielono mi sowie eine eindrucksvolle Bearbeitung von Krzysztof Komedas Svantetic.
Für REBIRTH war es das erste Konzert außerhalb Polens. Für das Darmstädter Publikum bot sich die Gelegenheit, die Musik Ptaszyn Wróblewskis durch die Interpretation einer jungen Generation kennenzulernen.
Eine Beobachtung der JazzPRESS-Redaktion
In der Reportage findet sich auch eine kurze Bemerkung zu meinem Mitwirken:
„W kilku utworach do kwintetu dołączył Ulli Jünemann, wzbogacając brzmienie o swój charakterystyczny, znany dobrze darmstadzkiej publiczności, niepowtarzalny ton."
„In mehreren Stücken kam Ulli Jünemann zum Quintett dazu und bereicherte den Klang um seinen charakteristischen, dem Darmstädter Publikum bestens bekannten, unverwechselbaren Ton."
Natürlich freut mich eine solche Beschreibung.
Noch mehr freut mich jedoch, dass die Reportage genau den Gedanken sichtbar macht, der dieses Projekt getragen hat: Junge Musiker und erfahrene Kollegen begegnen sich auf Augenhöhe. Beide Seiten hören zu, beide Seiten lernen voneinander.
Mehr als ein Konzert
Rückblickend waren diese Tage in Darmstadt weit mehr als zwei gelungene Konzerte.
Sie waren ein Beispiel dafür, wie europäischer Kulturaustausch funktionieren kann: durch gemeinsames Musizieren, gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft, Erfahrungen weiterzugeben, ohne dabei die Neugier auf neue Perspektiven zu verlieren.
Dass JazzPRESS genau diesen Gedanken in seiner Reportage herausarbeitet, ist für mich die eigentliche Anerkennung dieses Projekts.
Selber lesen
Die Ausgabe ist frei zugänglich: JazzPRESS März/April 2026 als PDF – das Foto auf Seite 55, die Reportage ab Seite 68.
Und wer sehen will, wie das alles geklungen hat: Andy Sikora hat aus den drei Tagen einen Konzertfilm geschnitten – hier geht es zum Film.
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